Samstag, 1. August 2015

Wir sind umgezogen! (naja fast)

Wie gerne hätte ich heute geschrieben, wie ich heute vor lauter Aufregung 4:22 Uhr aufgewacht bin, obwohl mein Wecker erst 6:45 Uhr geklingelt hätte, wie ich in den Stall gefahren bin, um 8 Sina gekommen wäre, wir Ramona verladen hätten und wir spätestens 15 Uhr oder so in Panitzsch angekommen wären und Ramona sich auf 'nem Paddock/Koppel/whatever ausgetobt und ihre neuen Freunde begrüßt hätte.

Leider kam alles anders.
Vorneweg sage ich, dass dieser Tag alles andere als toll war, ich sage vorneweg, dass ich weiß, dass ich selbst oder wir alle vieles, wenn nicht sogar alles hätten anders machen können und müssen. Aber es ist nunmal so, wie es ist, es gibt auch mal richtig kack Tage und angesichts der Tatsache, dass dieser Blog auch als Dokumentation unseres Lebens dient, muss man auch die schlechten Seiten unverblümt zeigen. 

Was stimmt ist, dass ich wirklich so früh aufgewacht und zum Stall gefahren bin. Ramona stand natürlich noch in ihrer Box, in ihrem Heu versunken, hat aber sofort aufgeschaut und sich zu mir umgedreht, als ich in ihren Stall gekommen bin und liebevoll nach ihr geschnalzt habe.
Sie war das aller liebste Pferd welches man sich vorstellen könnte und voller Zuversicht habe ich auf Sina gewartet.

Es war um 8. Sie kam nicht. Okay, egal, man muss ja nicht PUNKT genau da sein.
Meine Mutter kam derweile auch an und so haben wir zusammen gewartet. Bis um 11.
Sie war immer noch nicht da.
Grund dafür war ein dämliches Missverständnis, was durchaus passieren kann. Sie dachte nämlich, wir ziehen erst nächste Woche um.
Okay, Plan B musste her.
Wir haben in Panitzsch angerufen, die Lage geschildert, dass alle meine Transportmöglichkeiten verhindert sind und ob von dort jemand vielleicht kommen könnte.
Easy peasy, wird gemacht. Super, super, super freundlich.
Also wird das doch noch ein guter Tag.

Um 12 kam dann jemand, Anänger auf dem Hof gestellt, Ramona geholt, losgelaufen. 2 Meter vorm Anhänger. So weit haben wir es geschafft. Okay. stehen bleiben. Loben. Ein Schritt weiter ging ich, gaaanz viele Schritte weiter zurück ging Ramona. Neuer Versuch. Gleiche Situation. Nocheinmal. Sie kam schon etwas weiter mit. Stehen bleiben. Loben. Super.
Sie kam der Rampe immer näher, so nah, dass ich schon drauf stand. Sie hat gezögert, wich zurück. Okay, nocheinmal. Wieder ganz nah an der Rampe. Sie schnuppert daran und LECKT sie sogar ab. Ooooooh jaaa. Schacka!! Eeeeein Huf stellte sie gaaaanz zögerlich drauf.
Skepsis. Ein Traktor (er stand neben uns) startet, fährt los, Ramona erschreckt sich und reißt sich los. (Ich habe lange versucht sie zu halten, aaaber naja 600 Kilo... Wird schwierig).
Schnurstracks rennt sie zur Herde. Der Strick mit ihr hinterher. Und gaaanz weit hinterher ich.

Okay, Okay, wäre dieser f*cking Traktor nicht gewesen, hätte das etwas werden können.
Wir kommen zurück, der Anhänger steht nicht mehr auf dem Hof, sondern im Mittelgang. Könnte klappen. Ramona macht Rabatz, scheut, prustet, aber irgendwie haben wir es geschafft. Sie steht auf dem Anhäger. Sie steht auf dem scheiß Anhänger!! Zwar mit geschocktem Blick, so geschockt, dass sie nicht einmal die schnackhaften Bananen, die meine Mutter und ich ihr vor die Nase halten würdigt und auch die übermäßigen Krauleinheiten nicht in die Realität zurückholen können, aber nö, sie steht wie angewurzelt im Hänger. Auch nicht optimal, aber besser als wenn sie toben würde.
Gaaaaaaaaanz langsam (ich habe es selbst nicht einmal gemerkt) ging die Klappe zu, sie musste nur noch verriegelt werden, da wachte sie aus ihrer Apathie auf. Aber volles Rohr, sie bockte, trat gegen die Rampe und riss sich wieder los.

Nächster Versuch, Augen verbinden und Ramona orientierungslos machen. Sie torkelte etwas, aber sie folgte mir, dann streifte sie eine Wand, erschrak sich und rann wortwörtlich blind davon, bis das tuch von ihren Augen abfiel.

Allerallerallerletzer Versuch, Calida fährt mit. Sie war schon auf dem Anhänger, aber Ramona hatte keinen Bock mehr.
Wir haben es dann sein gelassen. Es hatte einfach keinen Sinn mehr. Vielleicht sind wir eh schon zu weit gegangen und hätten früher abbrechen müssen. :/

Die Bilanz: drei verbrannte Hände, von drei Leuten (meine Mutter, Anja (Calidas Besitzerin) und ich dachten jeweils, dass wir 600 bzw. 500irgendwas Kilo halten können. Nö.
Weiterhin, einen supertollen "Einstand" im neuen Stall, zum Glück kein demolierter Anhänger, ein wahrscheinlich endlos traumatisiertes Pferd (welche, wenn ich es immer wieder einfangen musste trotzdem immer wieder zu mir gekommen ist, wenn ich es gerufen habe...) und ein meeeega schlechtes Gewissen.
Soo viele Leute haben sich jetzt für uns Zeit genommen, mehr oder weniger Opfer gebracht und alles nur wegen so einen kack Anhänger.

Um es mal in der, für mein Alter wohl gerechten Sprache auszudrücken, ich komme mir wie der größte Alpha-Kevin vor und werde heute Abend  meinen Selbsthass, mit Leuten, die noch nicht meinetwegen lediert sind (sei es psychisch oder physisch - apropos psychsich, ich weiß gar nicht, wie ich meiner Mama nur danken soll, dass sie, die mega Angst vor Ramona, bzw. um mich hat, wenn ich bei Ramona bin, in solch einer Extremsituation mit mir im Anhänger stand und mein Pferd mit am Strick gehalten hat. Sie hat recht, ich weiß nicht wirklich, was in ihr vor geht, wenn sie mich mit Ramona arbeiten sieht, ich kann es mir nur manchmal etwas vorstellen, aber ich will nicht wirklich wissen, was heute alles in ihr vor ging) mit geeigneten (Genuss)mitteln übertünche.

Morgen wird dann Ramonas Panik mit geeigneten Mitteln (vom Tierarzt) übertüncht, in der Hoffnung, dass sie Ruhig bleibt, sich verladen lässt und die Fahrt ruhig bleibt. Das ist schonmal besser, als in irgendeiner hauruck Aktion, ohne beruhigende Mittel das Pferd in den Anhänger zu bugsieren, welches dann kurz vorm Herzkasper steht und sich während der Fahrt entweder erhängt oder aufgrund zu hohem Blutdruck/Puls/whatever stirbt.

So, dann hoffe ich, dass ich morgen positiveres zum Umzug schreiben kann.

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